• Ich habe noch nie ein Foto gemacht, wie ich es beabsichtigt hatte. Sie sind immer schlechter oder besser.

    – Diane Arbus –

    BERGWELT RUND UM DAS MATTERHORN


    Die Bergseen rund um Zermatt (1'620 m) und das Matterhorn zieren so mache Postkarte und fast jedes Urlaubsbild eines Besuchers von Zermatt. Trotzdem ist das Motiv nach wie vor jeden Tag einzigartig und immer wieder aufs Neue interessant. Sei es die Spiegelung in einem der vielen Bergseen oder auch nur die Stimmung zu später oder früher Stunde, das Matterhorn bietet eine beeindruckende Vielfältigkeit. Die nachfolgenden Bilder sind im August zu unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten entstanden.
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    14. Juli 1865


    Es ist der wohl am meisten fotografierte Berg der Welt. Infolge enormer Spannungen näherte sich Afrika vor rund 100 Millionen Jahren Europa an. 50 Millionen Jahre später, begannen sich grosse Gesteinsgruppen zu verformen und zu falten. Aus den nach oben drängenden Gesteinsmassen entstand einer der wohl markantesten Berge der Alpen, das Matterhorn. Die eigentliche Eroberung und damit wohl auch sein Bekanntwerden, fand aber erst viel später statt. Genauer gesagt am 14. Juli 1865. An diesem Tag gelang dem Briten Edward Whymper das Kunststück der Erstbesteigung. Einem Berg, den man bis dahin für unbezwingbar hielt.

    Seit 1857 hatten mehrere Seilschaften versucht, das Matterhorn zu besteigen. Gelingen wollte es aber niemandem. Auch Whymper hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Versuche hinter sich. Es war bereits sein sechster Sommer, den er am Fusse des Matterhorn verbrachte. Jedoch nicht in Zermatt, sondern auf der gegenüberliegenden Seite des Matterhorns, im italienischen Valtourneche. Denn bis anhin war Whymper der festen Überzeugung, dass der einfachste Weg über den italienischen Süd-West-Grat auf den Gipfel führt. Durch die Bücher des Horace-Bénédict de Saussure, dem Erstbesteiger des Kleinen Matterhorns, kam er jedoch zum Schluss, dass ein Start auf der Schweizer Seite wohl aussichtsreicher sein würde. Dort also, wo man den Mont Cervin Matterhorn nennt, in Zermatt. Auch von hier aus wurden bereits mehrere Versuche unternommen, das Matterhorn zu besteigen. Whymper versuchte seinen Freund Jean-Antoine Carrel für eine Besteigung von der Schweizer Seite her zu begeistern, allerdings vergebens. Dieser war nach wie vor der Ansicht, dass der Weg von Italien her auf den Gipfel führen wird. Als Whymper im Juli 1865 erfuhr, dass Carrel sich erneut in Richtung Gipfel aufgemacht hatte, stand der Entschluss fest: Sein Versuch der Erstbesteigung wird in Zermatt starten. Es war gleichzeitig auch der Beginn eines Wettrennens gegen Carrel.

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    Whymper eilte nach Zermatt und stellte eine Gruppe, bestehend aus Bergführer Michel Croz (aus Chamonix), Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas, D. Robert Hadow (alle aus England) sowie den Zermatter Bergführern Peter Taugwalder Vater und Peter Taugwalder Sohn zusammen, um die Besteigung in Angriff zunehmen. Das Unterfangen gelang. Am 14. Juli 1865 stand die Siebner-Seilschaft auf dem Gipfel. Jean-Antoine Carrel entdeckten sie weit unterhalb und Whymper schickte zur Erkennung einige Felsbrocken talabwärts.

    Den Abstieg jedoch, überlebten nicht alle. Die vorderen vier der Seilschaft, Michel Croz, Robert Hadow, Charles Hudson und Francis Douglas, stürzten über die Nordwand tödlich ab. Croz, Hadow und Hudson wurden einige Tage später auf dem Matterhorngletscher geborgen, die Leiche von Lord Francis Douglas wurde bis heute nie gefunden. Als Reaktion darauf wollte die damalige britische Königin, Queen Victoria, ein Verbot erlassen, mit welchem verhindert werden sollte, dass weitere britische Adlige am Matterhorn ihren Tod finden. Für Britischen Alpinisten war dies aber erst Recht ein Grund, das Matterhorn zu besteigen. Sie und britische Reisende kamen von da an in Scharen nach Zermatt. Es war der Beginn des Tourismus für das Walserdorf Zermatt.

    Bergidylle


    Es sind die Kontraste, welche die Aufnahmen der Walliser Bergwelt so speziell machen. Kontraste, welche vielleicht sogar etwas klischeehaft wirken. Aber schlussendlich machen sie den Unterschied aus. Und sie sind es auch, welche mich immer nach Zermatt ziehen werden.

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